Hertie-Berlin-Studie 2009

Wie tickt die Hauptstadt?

Weltweit gewinnen Städte immer mehr an Bedeutung. Hier verdichten sich Problemstellungen, hier ist aber auch das Reformpotenzial besonders hoch. Kann Berlin die große Integrationsleistung erbringen, die erforderlich ist, um die zunehmende Heterogenität seiner Bevölkerung zu bündeln und ein Auseinanderfallen der Stadtgemeinschaft zu verhindern? Dies ist die Leitfrage der Hertie-Berlin-Studie, die die Hertie-Stiftung am 18. November der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Unter der Leitung der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann und Michael Zürn und in Kooperation mit dem Stadtforscher Hartmut Häußermann hat TNS Infratest Sozialforschung 2.000 Berlinerinnen und Berliner ab 14 Jahren nach ihrer Lebenslage und ihrem Lebensgefühl befragt. Als Reformstiftung, die ihre Modellprojekte überwiegend in Großstädten ansiedelt, sind für die Hertie-Stiftung die gesellschaftlichen Verhältnisse in städtischen Ballungsräumen von besonders hohem Interesse. Sie hat die neuartige Stadtstudie initiiert und plant, sie in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, um Entwicklungstendenzen nachzugehen.

Unabhängig von den Interpretationen der Autoren bietet die Hertie-Berlin-Studie 2009 Ausgangsdaten für politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse in der Hauptstadt. Die wichtigsten Ergebnisse: Die Berliner gehen hart ins Gericht mit ihrer Stadt und sind doch ihre größten Fans – Trotz Haushaltsmisere und hoher Arbeitslosigkeit sind die Berliner mit ihrer Stadt insgesamt sehr zufrieden.

89 % der Berliner leben gerne hier, 54 % sogar sehr gern. Die innere Einheit zwischen Ost und West ist vollzogen – Wenn es um Wertorientierungen, die Beurteilung der eigenen Lebensbedingungen oder die Einschätzung der Berliner Problemlagen geht, sind die Unterschiede zwischen Ost und West verschwindend gering.

Deutsche und Migranten in Berlin: Man kommt gut miteinander aus – Deutsche und Migranten sind nicht nur häufig miteinander in Kontakt, sie geben sich auch „gute Noten“: 61 % der einheimischen Deutschen und sogar 77 % der Migranten bewerten ihre Kontakte untereinander als positiv.

Die Berliner: Lebenskünstler zwischen Kiez und Weltbürgertum – Die Menschen in Berlin sehen sich fast gleichermaßen als Europäer, Deutsche und Berliner – bei hoher emotionaler Bindung an ihr Stadtviertel. Insgesamt macht die Hertie-Berlin-Studie sieben Berliner Lebenswelten aus, die sich teilweise stärker voneinander unterscheiden als Ost und West.